Desirée Willfahrt

Desirée Willfahrt Wo Brötchen auf Begegnungen treffen
Wenn morgens um sechs Uhr im Bistro des Berufsbildungswerks Neckargemünd die ersten Brötchen im Ofen backen, beginnt für Desirée Willfahrt bereits der Arbeitstag. Seit März 2023 steht sie hinter der Theke und bringt dabei nicht nur frische Brötchen, sondern auch viel Leidenschaft mit. Für sie bedeutet der Job weit mehr als Verkauf: Sie hört zu, merkt sich die Vorlieben ihrer Gäste und sorgt mit kleinen Ideen dafür, dass sich alle gesehen und willkommen fühlen.
Dabei führte ihr Weg nicht geradlinig in die Gastronomie. Ursprünglich lernte Desirée Zahnarzthelferin, später arbeitete sie im Service an einer Tankstelle, im Metzgereiverkauf und zuletzt an der Fleischtheke eines Supermarkts. Als sie von einer ehemaligen Chefin erfuhr, dass im Bistro Unterstützung gesucht wird, bewarb sie sich und fühlte sich sofort wohl. Der Grund dafür liegt im Berufsbildungswerk Neckargemünd selbst: Hier begegnen sich Menschen mit und ohne Behinderung auf Augenhöhe. Dieses Miteinander ist es, was Desirée an ihrer Arbeit hinter der Theke besonders schätzt: “Keine Berührungsängste zu haben und jeden gleich zu sehen, egal, wer oder was er ist. Wirklich jeden Menschen als vollwertig zu sehen – das macht es aus.”
„Ich kann hier meine Kreativität voll ausleben.“
Desirée Willfahrt
Frühstart und starkes Team
Desirées Arbeitstag beginnt früh. Damit um halb acht alles bereitsteht, ist von Anfang an Teamarbeit gefragt. Vom Belegen und Aufbacken der Brötchen zum Bestücken der Theke bis hin zum Verkauf – jedes Teammitglied hat eine feste Aufgabe. Da jeder Tag anders verläuft und schwer planbar ist, helfen Springerinnen und Springer dort aus, wo gerade Unterstützung gebraucht wird. Damit keine Langeweile aufkommt, rotieren die Rollen wöchentlich.
„Wir sind eine eingeschworene Gemeinschaft“, schwärmt Desirée. Die Kolleginnen und Kollegen unterstützen sich gegenseitig und halten auch dann zusammen, wenn es mal stressig wird. Selbst wenn die tägliche Brot- und Brötchenlieferung mal ausfällt, findet das Team Lösungen: “Wir wuppen es irgendwie immer. Wir haben immer etwas in petto, aus dem wir etwas zaubern können, zum Beispiel unsere eingefrorenen Notreserven”.
Und Feierabend? Der winkt dank des frühen Starts schon am Nachmittag und fühlt sich für Desirée jedes Mal ein bisschen wie gewonnene Zeit an. Freie Wochenenden, Feiertage zu Hause, Zeit für sich selbst: Dinge, die lange keine Selbstverständlichkeit waren. Nach vielen Jahren im Schichtdienst war genau das einer der Gründe, warum sie sich für die SRH YourService entschieden hat.
Mehr als nur Brötchen verkaufen
Natürlich gehören Aufbacken, Belegen und Verkaufen der Brötchen zum Arbeitsalltag. Doch für Desirée steht etwas viel Wichtigeres im Mittelpunkt: der Umgang mit den Menschen. Das Bistro hat viele Stammgäste, deren Vorlieben sie mit der Zeit in- und auswendig kennt.
Manchmal stehen Lieblingsprodukte sogar schon bereit, bevor überhaupt bestellt wird. Ein kurzer Plausch über das Wetter oder ein paar Worte zum Tag gehören ebenso dazu. Genau das ist für Desirée der Kern ihrer Arbeit: Menschen wahrnehmen, ihnen Aufmerksamkeit schenken und ihnen das Gefühl geben, willkommen zu sein. „Man ist hier nicht nur die Frau, die Brötchen verkauft“, sagt sie. „Man ist hier Lehrerin. Und Seelsorgerin. Ich habe immer ein offenes Ohr für alle, die sich mal aussprechen wollen, das finde ich das Beste daran“.
Kreativität gehört zum Konzept
Besonders schätzt Desirée den kreativen Freiraum im Bistro. Neue Kombinationen ausprobieren, Zutaten anders zusammenstellen, auf die individuellen Wünsche der Gäste reagieren. Ein Beispiel: Nachos kamen als Tellergericht zunächst nicht gut an. Als sie Desirée kurzerhand als Wrap anbot, wurden sie zum Verkaufsschlager. Das Beispiel zeigt, feste Vorgaben für die verschiedenen Speisen gibt es kaum. Stattdessen sind Ideen ausdrücklich willkommen.
Auch das vegane Angebot entstand so. Als ein Stammgast über längere Zeit immer nur Brezeln kaufte, fiel Desirée dies auf. Sie fragte nach und erfuhr, dass sich der Gast vegan ernährt. Für Desirée war sofort klar: „Das kann nicht sein, dass jemand jeden Tag nur Brezeln essen muss.“ Gemeinsam mit dem Team entwickelte sie vegane Alternativen und zaubert dem Stammgast und zunehmend vielen anderen Kund:innen seitdem jeden Tag ein Lächeln über das vielfältige Angebot auf das Gesicht.
Motivation, die ansteckt
Etwas Positives bewirken: Das ist es, was Desirée jeden Tag antreibt. Ob durch kreative Brötchenideen, ein freundliches Gespräch oder ein kleines Detail, das jemandem den Tag versüßt.
Denn das Bistro ist mehr als nur ein Ort für Snacks. Es ist Teil eines besonderen Umfelds, in dem junge Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam lernen, leben und ihren Alltag gestalten. Genau dieses bunte, lebendige Miteinander macht die Atmosphäre in Neckargemünd aus und ist auch hinter der Theke jeden Tag spürbar.
„Ich verkaufe die Brötchen mit Liebe und Leidenschaft“, sagt Desirée. Vielleicht liegt genau darin – in diesem besonderen Miteinander – das Geheimnis dieses Bistros, an dem Brötchen und echte Begegnungen zusammenkommen.


