Michael Noth

Michael Noth Vom Großküchenerfolg zur echten Balance
Angefangen in der DDR, geprägt von harter Arbeit, Disziplin und echter Leidenschaft für die Gastronomie, bekochte Michael Noth unter anderem auch Angela Merkel, führte viele Jahre eine eigene Großküche für Schulkinder und produzierte täglich tausende Gerichte. Was nach einer kaum zu übertreffenden Erfolgsgeschichte klingt, führte ihn schließlich zu einem mutigen Neuanfang.
Der Grund: Erfolg bekam für ihn plötzlich eine neue Bedeutung. Es ging ihm nicht mehr um Wachstum und Leistung um jeden Preis, sondern um seine Gesundheit. Die extremen Arbeitszeiten und dauerhaften Belastungen brachten ihn zum Nachdenken: „Wenn ich erst mit Ende 50 anfange, etwas zu ändern, ist es wohl zu spät, um gesund zu bleiben“.
Aus diesem Grund zog er 2011 die Reißleine, verkaufte sein Unternehmen und startete als Produktionsleiter bei der SRH YourService. Neben dem Ziel, Prozesse zu optimieren und Strukturen neu auszurichten, ging es ihm vor allem um den bewussten Umgang mit den eigenen Ressourcen. Als Küchenleitung verantwortet er heute ein komplexes Zusammenspiel aus Patientenküche, Mitarbeitendenrestaurant, Café, Veranstaltungen und der Versorgung externer Geriatriestationen.
„Zufriedene Kunden sind immer Kunden.“
Michael Noth
Persönliche Kaffee-Updates fördern den Teamzusammenhalt
Michaels Tag beginnt bereits um 5:30 Uhr. Dann startet die Organisation: Patientenkarten drucken, Dienstpläne erstellen, Abläufe koordinieren und anstehende Aufgaben mit seinem 17-köpfigen Team abstimmen. Während des Tagesgeschäfts führt er Qualitäts- sowie Hygienekontrollen durch und stellt den reibungslosen Ablauf im Service sicher. Um 7 Uhr folgt meistens eine kurze gemeinsamen Kaffeepause und gleichzeitig die erste Bestandsaufnahme des Tages. Hier wird offen besprochen, wo es Probleme gibt und wie diese gemeinsam gelöst werden.
Genau diesen persönlichen Austausch wünscht sich Michael auch über das eigene Team hinaus. Der Dialog mit anderen Küchenleitungen, voneinander lernen und Erfahrungen teilen – für ihn ein wichtiger Baustein, um sich selbst und die Qualität seiner Arbeit kontinuierlich zu verbessern. Während der Corona-Zeit ist der persönliche Kontakt zu seinem Bedauern ziemlich verloren gegangen. Umso größer ist die Vorfreude auf das anstehende Treffen zur Besprechung des neuen Dienstplanungsprogramms in Gera, bei dem der direkte Austausch wieder im Mittelpunkt steht.
Von fleißigen Bienen und schlauen Füchsen
Der Arbeitsalltag bleibt intensiv: Personalausfälle, enge Zeitfenster und ein hoher Qualitätsanspruch sind tägliche Realität. Zu den über 600 Essen für Patientinnen und Patienten kommen die Verpflegung im Mitarbeitendenrestaurant, im Café und auf Veranstaltungen dazu. Das sind mehr als 1.000 Gerichte pro Tag, die Michael gemeinsam mit seinem Team an 365 Tagen im Jahr zubereitet. Gerade dann zeigt sich, worauf es ankommt: „Auch im größten Stress irgendwie eine freundliche Antwort hinkriegen und immer gute Laune behalten.“
Gleichzeitig gibt es Momente, die ihm besonders Freude bereiten: Caterings zu Anlässen wie ein Sommerfest für die Mitarbeitenden des Klinikums, oft bis in den späten Abend hinein. „Aber das macht auch Spaß und da ist es auch nicht schlimm, wenn hinterher alles wehtut“, schmunzelt Michael.
Mit klaren Notfallplänen, die besonders dann greifen, wenn Michael mal selbst ausfallen sollte, und viel Erfahrung sorgt er selbst in herausfordernden Situationen für Stabilität im System. Besonderes Merkmal seiner Arbeit ist sein unkonventioneller Blick auf Strukturen. Statt starrer Positionsbezeichnungen führte Michael kreative Rollen und wertschätzende Bezeichnungen in der Küchen- und Reinigungsarbeit wie die „fleißige Biene“ oder den „schlauen Fuchs“ für die Aufgabenbeschreibung der Mitarbeitenden ein. Was zunächst für ein Schmunzeln sorgte, entwickelte sich schnell zu einem echten Erfolgsfaktor. „Am Anfang haben die Leute gelacht, aber das hat sich eingebürgert“, erinnert sich Michael. Die klar definierten Aufgaben hinter den Namen schaffen Orientierung, stärken die Identifikation und fördern den Teamzusammenhalt spürbar.
Was heute wirklich zählt
Michaels Blick auf Erfolg hat sich grundlegend verändert. Seine Motivation heute: „Wenn alles am Tag geklappt hat, die Patienten und Mitarbeitenden mit dem Essen zufrieden sind, ein Lob übrighaben und wenn alle Mitarbeitenden gesund sind und lächeln“. Besonders stolz ist er auf die Entwicklung seiner Auszubildenden und darauf, ein Umfeld geschaffen zu haben, in dem Teamarbeit gelebt wird und die eigene Gesundheit nicht zu kurz kommt.


