Jeannette Sorg

Jeannette Sorg Für die Kleinsten

„Muttermilch ist die erste natürliche Impfung, die du einem Kind geben kannst.“

Jeannette Sorg

Frauen im blauen Kasak

Was macht eine Frauenmilchbank?

In der Frauenmilchbank des SRH Zentralklinikums Suhl wird gespendete Muttermilch für Früh- und Neugeborene gesammelt, untersucht, dokumentiert und sicher aufbereitet. Sie kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn Mütter ihre Kinder nach der Geburt noch nicht ausreichend mit eigener Muttermilch versorgen können. Bevor Spendermilch verwendet werden darf, werden sowohl die Spenderinnen als auch die Milch selbst umfassend untersucht. Dazu gehören medizinische Fragebögen, Blutuntersuchungen sowie mikrobiologische Kontrollen der Milch. Je nach medizinischer Situation wird die Milch zusätzlich entkeimt. Die Versorgung erfolgt individuell und millilitergenau. Jedes Kind erhält genau die Nahrung, die es entsprechend seiner Entwicklung und seines Gesundheitszustandes benötigt. 

Zwei Frauen im blauen Kasak und ein Mann im weißen Polo-Shirt

Warum Muttermilch „weißes Gold“ genannt wird

Muttermilch gilt als die optimale Ernährung für Neugeborene und Frühgeborene. Sie enthält nicht nur Kohlenhydrate, Fette und Proteine, sondern auch Antikörper, Enzyme, Hormone, Wachstumsfaktoren und lebende Zellen, die die Entwicklung und das Immunsystem der Kinder unterstützen. Besonders für Frühgeborene spielt Muttermilch eine entscheidende Rolle. Sie kann das Risiko schwerer Infektionen, die Häufigkeit an Adipositas, Bluthochdruck sowie Diabetes reduzieren und die psychomotorische Entwicklung verbessern. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt die Ernährung mit Spendermilch, bis ein Kind mit eigener Muttermilch versorgt werden kann. Jeannette spricht daher nicht ohne Grund vom „weißen Gold“. 

Vier Personen aus der Pflege im Krankenhaus

Grenzenloses Vertrauen

Trotz der vielen Vorteile löst die Ernährung durch Spendermilch bei manchen Eltern zunächst Unsicherheiten aus. Jeannette berät die besorgten Eltern, holt sie in ihren Ängsten und Sorgen ab und zeigt, wie sicher das natürliche Lebensmittel ist: „Wir müssen da sehr individuell vorgehen und die Muttis beraten. Auch in sehr belastenden Situationen. Aber das kannst du nicht lernen.“

Neben den Familien und Spenderinnen führt Jeannette täglich viele Gespräche mit Ärztinnen, Ärzten und medizinischem Personal der Stationen. Die Zusammenarbeit ist eng, das Vertrauen grenzenlos. Jeannette und ihr Team beantworten Fragen zur Keimbelastung oder den vorgegebenen Leitlinien. Dabei endet die Arbeit nicht auf der Frühchenstation. Auch andere Bereiche des Klinikums greifen regelmäßig auf das Wissen des Teams zurück. Von der Geburtshilfe bis zur Kinderstation werden Fragen rund um Ernährung, Muttermilch und Ersatzprodukten gemeinsam abgestimmt. Selbst größere Kinder erhalten in manchen Fällen weiterhin spezielle Nahrung aus der Frauenmilchbank. Jeannette freut sich über diese Wertschätzung; „Wir betreuen die Mütter und die Kinder quasi Hand in Hand, gemeinsam mit den Ärzten und Schwestern“. 

Lebenslange Verbindungen 

Wie eng Jeannette und ihr Team wirklich mit den Familien verbunden sind, zeigt sich oft erst über die Jahre hinweg. Anders als in vielen anderen Bereichen der Klinik bleiben die Begegnungen nicht anonym. „Hier lernst du die komplette Familie kennen“, erzählt sie. Manche Kontakte bleiben über lange Zeit bestehen, manchmal entstehen sogar Freundschaften. 

Besonders bewegt spricht Jeannette von ihrem ersten Frühchen. Emil ist heute 21 Jahre alt. Viele Jahre lang kam er gemeinsam mit seiner Mutter zu den jährlichen Frühchentreffen im Klinikum. „Sie hat ihm immer eine Fliege angezogen“, erinnert sie sich und lächelt. „Er wusste nicht, wer ich war, aber er hat mich immer gedrückt.“ Die Verantwortung, die Nähe zu den Familien und das Wissen, mit der eigenen Arbeit einen kleinen Teil zu einem gelungenen Start ins Leben beitragen zu können, motivieren Jeannette bis heute. So ist aus der Arbeit, die sie einst nie machen wollte, über die Jahre eine Aufgabe geworden, die sie jeden Tag mit Stolz erfüllt, wenn ein neues Wunder erfolgreich ins Leben startet. 

Abschließend wünscht sie sich, dass diese Arbeit künftig sichtbarer wird – innerhalb und außerhalb des Klinikalltags. Denn vieles von dem, was Jeannette und ihr Team leisten, bleibt für Außenstehende unsichtbar: „Da möchte ich noch viel mehr erreichen. Wir ziehen hier alle am gleichen Strang und machen gemeinsam einen super Job. Und das will gesehen und unterstützt werden. Das wünsche ich mir für die Zukunft.“