Petra Critzmann

Petra Critzmann Mit jedem Zimmer ein kleines Stück Zuversicht
Wenn Petra Critzmann morgens zur Waldbahn in Gotha läuft, hat sie bereits frische Luft geschnappt, bevor ihr Arbeitstag im SRH Krankenhaus Waltershausen-Friedrichroda überhaupt beginnt. Um 5.00 Uhr zieht sie im Krankenhaus ihre Dienstkleidung an, begrüßt das Pflegepersonal auf ihrer ersten Station und stimmt sich kurz ab. Dann nimmt sie ihren Reinigungswagen mit ins Medizinische Versorgungszentrum, bevor sie später auf die Station der Inneren Medizin wechselt.
Seit 2011 arbeitet Petra im Krankenhaus, seit Februar 2014 ist sie im Reinigungsbereich der SRH YourService tätig. Ihre berufliche Laufbahn begann allerdings an einem ganz anderen Ort: Petra ist gelernte Eisenbahntransportfacharbeiterin und arbeitete früher auf Stellwerken und an den Bahnstrecken. Nach der Wende wechselte sie in verschiedene Unternehmen, arbeitete im Lager oder am Band und sorgte so für ihre Familie. „Ich war mir für nichts zu schade und mache alles gerne, was ansteht“, erzählt sie. Diese Haltung ist ihr geblieben.
„Ich spüre, wenn ich in die Zimmer komme, das freut die Menschen, das baut mich immer wieder auf.“
Petra Critzmann
Ein Wagen, zwei Bereiche und immer ein offenes Ohr
Im Medizinischen Versorgungszentrum übernimmt Petra morgens die Grundreinigung. Ab 7.00 Uhr kümmert sie sich auf der Station um die Unterhaltsreinigung, reinigt Patientenzimmer und sanitäre Anlagen und übernimmt bei Bedarf auch Infektionszimmer. Dafür trägt sie die vorgeschriebene Schutzkleidung und arbeitet besonders aufmerksam, damit Patientinnen und Patienten sowie das medizinische Personal sicher sind.
Während der Corona-Zeit war ihre Station die Coronastation. Petra zog früh morgens den Schutzanzug an, wechselte ihn im Laufe des Tages immer wieder und konnte ihn erst nach 13.00 Uhr wieder ausziehen. Die Zeit war fordernd, hat ihr aber auch gezeigt, wie verantwortungsvoll ihre Arbeit ist. „Ich weiß, dass das einfach sehr wichtig ist und finde es gut, darüber zu sprechen. Ich möchte gerne allen Menschen sagen, dass wir einen verantwortungsvollen Beruf haben“, sagt sie stolz.
Neben der Frühschicht übernimmt Petra regelmäßig auch Spätdienste. Dann kümmert sie sich um die Betten- und Infektionszimmer, ist telefonisch erreichbar und springt dort ein, wo sie gebraucht wird – in der Notaufnahme, im Röntgenraum oder in der Funktionsdiagnostik. Einmal im Monat arbeitet sie in der Spätschicht, die übrigen Tage teilt sich das Team gerecht auf.
Wenn Reinigung zur Begegnung wird
Petra arbeitet konzentriert, diszipliniert und wachsam. Gleichzeitig ist sie direkt und spricht Dinge an, wenn ihr etwas auffällt. Für sie gehört das zu einer guten Zusammenarbeit: Im offenen Austausch lassen sich Fragen schneller klären und Abläufe besser gestalten.
Besonders eng arbeitet sie mit dem Pflegepersonal zusammen. Morgens begrüßt sie die Schwestern auf der Station, bevor sie mit der Reinigung beginnt. Man kennt sich, spricht sich ab und weiß, dass man aufeinander angewiesen ist. Im Alltag funktioniert das meistens sehr gut, auch wenn der Stress manchmal groß wird. „Letztlich sind wir aufeinander angewiesen und raufen uns zusammen, das geht gar nicht anders“, sagt Petra. Nicht mit allen Kolleginnen und Kollegen pflegt sie das gleiche enge Verhältnis und doch kann sie sich auf jedes einzelne Teammitglied verlassen.
Auch mit den anderen Abteilungen fühlt sich Petra verbunden. In diesem Krankenhaus kennt man sich, grüßt sich auf den Fluren und begegnet sich auch außerhalb des eigenen Bereichs. Diese familiäre Atmosphäre ist für sie ein wichtiger Teil ihres Arbeitsplatzes.
Sauberkeit, die Mut machen kann
Petra sieht in ihrer Arbeit mehr als saubere Räume. Wenn sie ein Patientenzimmer betritt, entsteht oft ein kurzer Kontakt. Manchmal ist es nur ein freundlicher Gruß, manchmal ein kleines Gespräch. Wenn Patientinnen oder Patienten unsicher sind oder Angst haben, versucht Petra, Mut zuzusprechen und zu helfen.
„Ich bin sehr stolz darauf, diesen Beruf auszuüben“, sagt sie. Das liegt auch daran, dass sie mit vielen verschiedenen Menschen zu tun hat und immer wieder erlebt, dass sie mit kleinen Gesten etwas bewirken kann. Eine dankbare Patientin, ein nettes Gespräch oder ein freundlicher Blick gehören für Petra zu den Momenten, die ihren Arbeitstag besonders machen.
Die Reinigung schafft dabei die Grundlage dafür, dass sich Patientinnen und Patienten, Angehörige und Mitarbeitende im Krankenhaus wohlfühlen können. Für Petra ist das eine Aufgabe, die im Hintergrund stattfindet, aber spürbare Wirkung hat. Sie genießt „die Kleinigkeiten und schöne Dinge des Lebens“ und dazu gehört für sie auch, mit den „Omis“ zu reden, wie sie die älteren Patientinnen liebevoll nennt.
Wertschätzung zeigt sich im Alltag
Bei der SRH YourService erlebt Petra mehr Wertschätzung als in ihren früheren Berufen. Für sie beginnt das bei den praktischen Dingen: Die Arbeitskleidung ist gut, wird im Haus gewaschen und steht zuverlässig zur Verfügung. Dazu kommt jede Woche ein Kasten mit Obstsaft für die Mitarbeitenden.
Sie wird regelmäßig gefragt, was verbessert werden kann. In Mitarbeitergesprächen bringt sie ihre Meinung ein und hat über eine Box die Möglichkeit, Vorschläge einzuwerfen. Auch Schulungen werden angeboten; Petra selbst nimmt diese angesichts ihres Alters von 63 Jahren zwar nicht mehr regelmäßig wahr, findet es jedoch gut, dass jüngere Mitarbeitende sich weiterentwickeln können.
Nach all den Jahren blickt Petra auf harte, aber schöne Zeiten zurück. Schön waren sie für sie vor allem wegen der Menschen: wegen der Patientinnen und Patienten, der Kolleginnen und Kollegen und der vielen kleinen Begegnungen, die ihren Arbeitstag bereichern.
Petra ist dankbar, dass sie gesund ist, alles machen kann und weiterhin ihrer Arbeit nachgehen darf. Sie kommt nicht nur, um Räume zu reinigen, sondern auch, um Teil eines Teams zu sein und Menschen im Krankenhaus ein Stück Sicherheit und Zuversicht zu geben. Genau das macht ihren Beruf für sie so wertvoll.



